Die Rasse

Barbados Blackbelly Sheep

Die schönen Schafe aus der Karibik

Herkunft

Über Schafe vom Typ der Barbados Blackbellies auf den westindischen Inseln wurden bereits im 17. Jahrhundert berichtet. Sie entwickelten sich dort warscheinlich als Landrasse aus westafrikanischen Haarschafen mit späteren Einkreuzungen europäischer Rassen der Kolonialherren. Erst sehr spät wurden Zuchtbestrebungen durch die Regierung gefördert.

 

 

 

Rassestandard Barbados Blackbelly Schafe

Im Original veröffentlicht von der Barbados Agricultural Society

(The One Voice of Barbados Farmers) unter

http://www.basonevoice.org/content/barbados-blackbelly-sheepBreed ; Seite ist nicht mehr online!

 

Der Rassestandard ist Leitfaden für die (Zucht-) Selektion, basierend auf der physischen Erscheinung des Schafes, und ist wie folgt:

 

Allgemeine Erscheinung:

 

Der erste Eindruck eines Barbados Blackbelly Schafes ist der eines edlen Tieres, kräftig, aufmerksam, gut bemuskelt und im Gegensatz zu seinen wolligen Verwandten aus kühleren Welten mit klaren Körperlinien. Das Schaf ist so hoch wie lang, es erscheint mit dem Eindruck muskulärer Fitness und ohne das geringste bisschen Schwerfälligkeit oder Schwäche. Das ideale Schaf ist geprägt durch einen schwer zu beschreibenden Ausdruck von Adel und Qualität, der jedoch unmissverständlich wahrgenommen wird, wenn vorhanden. Bei erwachsenen Tieren sind die sekundären (Geschlechts-) Merkmale klar ausgeprägt. Dies unterscheidet den Bock von der Aue klar beim ersten Anblick.

 

Kopf:

Der Kopf ist edel mit einer typischen Ramsnase. Der Kopf des Bockes ist deutlich maskulin, der der Aue feminin. Das Maul ist breit und kräftig mit festen Lippen. Der Nasenrücken und der Unterkiefer sind schwarz gefärbt. Die Schneidezähne müssen die Dentalplatte treffen.

 

Ohren:

Die Ohren sind spitz zulaufend und stehen beim aufmerksamen Tier seitlich ab, parallel zum Boden. Die Innenseite der Ohren ist schwarz.

 

Augen:

Die Augen sind von brauner Farbe und mandelförmig. Ein breites, schwarzes Abzeichen beidseits von der Nasenbasis auf jeder Seite zur Stirn. Hängende Augenlider sind unerwünscht.

 

Hörner:

Beide Geschlechter sind hornlos.

Hals:Der Hals ist kräftig und gut bemuskelt, klar geschnitten und ohne lockere Hautfalten. Glöckchen sind nicht erwünscht. Bei erwachsenen Böcken ist eine Mähne vorhanden die den Nacken bis zur Brust bedeckt.

 

Vorhand:

Die Schultern liegen flach an, Oberarm und Schulterblatt sind beide gut bemuskelt. Die Vorderbeine, betrachtet von beiden Seiten (vermutlich ist – von vorne - und – von der Seite – gemeint!) sind gerade. Die Fesseln sind kräftig und sehnig, da diese Schafe für ihre Sprungkraftbekannt sind. Die Vorderbeine sind schwarz von den Knien (gemeint ist das Vorderfußwurzelgelenk!) an abwärts.

 

Klauen:

Die Klauen sollten wohlgeformt sein.

 

Körper:

Die Testikel der Böcke sollen gut entwickelt sein und einen Umfang des Hodensacks von nicht weniger als 28-30 cm haben. Kryptorchismus ist unerwünscht und sollte benachteiligt (ausgeschlossen) werden.

Auen sollen gut entwickelte Euter ohne Anzeichen von Entzündungen oder Verdickungen usw. haben. Jede Tendenz zu „saddle back“ oder „away back“ (entspricht wahrscheinlich Euterfehler wie Kugel-, Hänge- oder Stufeneuter) wird als fehlerhaft bewertet.

 

Körpertiefe:

Die Körpertief soll relativ groß in Relation zur Größe des Tieres sein. Der Körper soll tief und breit mit gut angesetzten Rippen sein.

 

Oberlinie:

Der Widerrist ist höher als und neigt sich in einen ebenen Rücken. Die Lende ist, von oben betrachtet, breit und kräftig. Die Kruppe soll lang und allmählich geneigt sein. Kurze, steile Kruppen sind als fehlerhaft zu bewerten.

 

Schwanz:

Der Schwanz soll lang sein und bis zum Sprunggelenk reichen. Er soll sich harmonisch in die Kruppe einpassen.

 

Decke:

Das ideale Barbados Blackbelly Schaf hat ein grobes Deckhaar das flach anliegt. Es soll reichlich Lanolin haben, welches die Decke wasserabweisend hält und Zecken und andere Ektoparasiten fern hält. Es sollen keine Spuren von Wolle vorhanden sein.

 

Farbe:

Die Farbe ist rassetypisch mit ihren schwarzen Abzeichen. Die Farbe der Rückenoberseite kann von hellbeige über braun zu kirschrot (im deutschen wohl eher „kastanienbraun“) variieren. Hier sollen keine schwarzen oder weißen Flecke vorhanden sein!

 

USA:

Rassestandard der Barbados Blackbelly Sheep Association Int´l

Festgeschriebene Rasseeigenschaften des Barbados Blackbelly Schafes sind neben der ausserordentlich hohen Fruchtbarkeit, guter Gesundheit, asaisonaler Brunst und hervorragenden Muttereigenschaften ( Hohe Geburtenraten mit guten Aufzuchtergebnissen bei häufigen Mehrlingsgeburten) sowie das jährliche, komplette Abwerfen der Unterwolle, falls diese ausgebildet wird, auch das antilopenartige Aussehen der Tiere.

Desweiteren findet man bei der BBSAI (Barbados Blackbelly Sheep Association Int´l) folgenden Standard (frei übersetzt) :

 

Barbados Blackbelly Bock

 

 

  • KOPF: Oval bis dreieckig, typische Ramsnase Widder dtl. maskulin, Auen dtl. feminin Maul groß, kräftig, mit festen Lippen
  • OHREN: Länge ca. die Hälfte der Stirnbreite, seitlich weisend, parallel zum Boden, Variationen der Länge erlaubt
  • AUGEN: Mandelförmig, Iris braun oder goldbraun
  • BEHORNUNG: Beide Geschlechter genetisch hornlos, lose Horngebilde, weniger als 1,9cm akzeptabel
  • NACKEN: Kräftig, muskulös, geradlinig, ohne Hautlappen
  • VORHAND: Muskulöse Schulter und Oberarm, gerades Vorderbein mit kräftigen, elastischen Fesseln, leichte zehenweite Tendenz kommt vor
  • HINTERHAND: Muskulös, mit allmählich abfallender Kruppe, Winkelung in vertikaler Linie vom Sitzbein über Sprunggelenk bis Fesselkopf
  • KLAUEN: Schwarz, glänzend, fest, klar konturierte Tragränder
  • KÖRPER: Gute Körperfülle in Relation zur Körpergröße bei guter Rippenwölbung
  • OBERLINIE: Widerrist höher, in einen geraden Rücken übergehend, kräftige, breite Lende, lange abfallende Kruppe
  • SCHWANZ: Länge bis zum Sprunggelenk, gerade Linie ohne Krümmumg, darf nicht kupiert werden, geringe weisse Spitze akzeptabel
  • HAARKLEID: Glatt anliegendes, rauhes Haar, ausreichend gefettet, Adulte Böcke mit ausgeprägter Nacken- und Brustmähne

 

  • FARBE UND ZEICHNUNG: Fellfarbe variiert von hellem rehbraun über braun bis dunkles kastanienrot
  • Schwarzfärbung des Bauches ausgeprägt bis zur Rückseite der Hinterbeine inkl. Unterseite des Schwanzes
  • Oberseite der Nase und Unterkiefer sind schwarz, Kehlstreifen bis zum Bauch möglich
  • Breite schwarze Streifen reichen von den inneren Augenwinkeln bis zum Scheitel, evtl. auch bis zum Maul reichend
  • Mögliche zusätzliche Streifung von den äusseren Augenwinkeln zum Maulwinkel
  • Schwarze Krone am Hinterkopf
  • Innenseite der Ohren schwarz
  • Vorder- und Hinterbeine vom Vorderfußwurzel- bzw. Sprunggelenk abwärts schwarz, oftmals Außenseite der Beine nicht ganz schwarz
  • UNERWÜNSCHT: Schwarze oder weisse Abzeichen am Körper (anders als die gelisteten), nicht erkennbare Abzeichen durch zu dunkle Fellfarben
  • ZUCHTAUSSCHLUSS BEI: Fehlender Schwarzfärbung des Bauches, fehlende rassetypische Gesichtsstreifen
  • GEWICHT:
  • Widder : 40,8 - 68 kg
  • Auen: 31,75 - 54,4 kg
  • Widerristhöhen sind in Amerika anscheinend nicht genau definiert
  • Akzeptiert werden auch höhere Gewichte, Unterschreitung des Minimums sollte zum Zuchtausschluß führen

 

Zweijährige Barbados Blackbelly Aue

 

Geschichte

Importe und Entwicklung in USA

 

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden fünf Tiere ( 4 weibliche, ein männliches) in die USA importiert und deren Nachkommen, unter anderem gekreuzt mit europäischem Mufflon und Rambouillet, brachten Tiere mit höherem Fleischertrag und imposanten Stirnwaffen hervor. Es gibt vielfältige Kreuzungstypen, die auf diesen Ursprung zurückgehen. Einen ungeheuren Zuchtaufschwung hatten diese Tiere insbesondere in den 70er Jahren im Bundesstaat Texas aufgrund der Trophäenjagd. Auf texanischen Weidegründen gibt es vermutlich über 100.000 wildlebende Tiere. Da landläufig verschiedene Rassebezeichnungen wie "American Blackbelly" , "Barbados Blackbelly", "Corsican" oder einfach nur "Barbado"verwendet wurden, gab es große Verwirrung.

Seit 2005 hat die BBSAI eine klare Abgrenzung und zwei getrennte Zuchtbücher geschaffen, vor allem da es kaum noch reinblütige Barbados Blackbelly Schafe in den USA gab und Importe, ähnlich wie bei uns in der EU, aus seuchenrechtlichen Gründen sehr schwierig oder kostspielig sind.

So gibt es heute in den USA ein Zuchtbuch für Barbados Blackbelly Sheep, welches im Ursprungstyp der karibischen Insel erhalten werden soll, und ein weiteres Zuchtbuch für das behornte Pendant, das American Blackbelly Sheep, welches in Nordamerika bereits lange etabliert ist.

Für die Erhaltung der Rasse standen bei Eröffnung des Zuchtbuches weniger als 200 Tiere in USA zur Verfügung, ein großer Teil davon auch aus einem 70er Jahre Import der Virginia State University, die längere Zeit eine geschlossene Herde führte, welche dann in Privatbesitz überging.

 

Typvolle Blackbelly Jungauen (8Monate)

 

Importe und Entwicklung in Europa / Deutschland

 

In Europa gibt es Barbados Blackbelly Schafe in erster Linie in Holland und derzeit vor allem in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg.

Nach Deutschland gelangte die Rasse zu Zeiten der DDR durch ein Projekt der Uni Leipzig.

Dabei ging es um die Verbesserung der Fruchtbarkeit unter sommerlichen Klimabedingungen, gekreuzt wurde mit Merinofleisch- und Merinolangwollschaf.

Für das Projekt wurden drei Barbados Blackbelly Böcke aus Holland importiert.

Mit dem Ende der DDR starb auch das Projekt des Tierzuchtinstitutes.

Die Nachkommen aus diesem Projekt, von denen ein gewisser Prozentsatz dem

Barbados Blackbelly im Erscheinungstyp sehr ähnelte, gingen an Privatzüchter,

sie wurden selektiert und mit weiteren Einkreuzungen holländischer Blackbellies wurde der Rassetyp wieder gefestigt. Die Kreuzungsversuche in Leipzig zeigten auch, das man den "Haarwechsel" in wenigen Generationen etablieren kann (siehe Nolana-Zuchtprojekte).

Aufgrund dieser geschichtlichen Hintergründe erklärt sich, warum in und um Leipzig quasi eine Barbados Blackbelly Enklave besteht.

 

In Holland wollte man seinerzeit ein wirtschaftliches Hybridschaf züchten und scheiterte. Den holländischen Ursprungsbetrieb der drei Leipziger Böcke gibt es heute nicht mehr.

Die Gefahr das Kamerunkreuzungen angeboten werden, die Aufgrund der steigenden Nachfrage schnell als Barbados Blackbelly deklariert werden, scheint leider im In- und Ausland hoch. Hier wird unter Umständen schnell "Masse für den Markt" produziert.

Deshalb entschlossen wir uns für die Herdbuchzucht, möchten jedoch betonen, das wir bei passionierten Hobbyzüchtern ausgezeichnete Tiere gesehen haben.

 

 

Unsere Ziele

Qualität statt Quantität........

 

Freude an unseren Tieren und ihrer Aufzucht und Pflege ist unsere größte Motivation, aber auch den Erhalt der Rasse zu fördern und in kommenden Generationen züchterisch auf bestimmte Merkmale Einfluß zu nehmen, stellt für uns eine Herausforderung dar. Gerade weil es so wenige Tiere dieser Rasse bei uns gibt ist auch Vorsicht vor "Massenproduktion" geboten, denn aus den Kreuzungszuchten gibt es sicher viele gute Tiere, die dem BBB- Typ entsprechen, die aber in den Tochtergenerationen wieder untypische oder unerwünschte Eigenschaften der anderen Rassen einbringen.

Auch im "Urtyp" der karibischen Insel gibt es sicher individuelle Abweichungen im Typ und wir wollen unser erstes Augenmerk auf Gesundheit und korrektes Gebäude bei gutem Rassetyp legen. Die Verbesserung bzw. Festigung des Rassetyps ist das weitere Ziel, hierzu gehören für uns vor allem:

 

- Haarkleid (Abhaarung) und Farbe (keinerlei weiße Abzeichen)

- rechteckiger Rahmen mit langem, gut bemuskeltem Rücken

- tiefe Horngruben der Böcke ohne Horngebilde

- frohwüchsige Lämmer

- Eutergesundheit, Milchleistung und Mütterlichkeit

 

Ob sich bei uns in den kommenden Zuchtjahren das Konzept einer Linienzucht durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Dieses Vorhaben ist für uns Neuland und wir sind gespannt, welche Erfahrungen die Zukunft für uns bereithält.